Präimplantationsdiagnostik

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Filchs_Pussy
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Präimplantationsdiagnostik

Beitrag von Filchs_Pussy » Sa 9. Jul 2011, 18:02

Aus aktuellem Anlass: Was haltet ihr von Präimplantationsdiagnostik und der Entscheidung, diese unter strengen Restriktionen zuzulassen?

Ich für meinen Teil finde, dass es auf jeden Fall ein heikles Thema ist und man schwer ganz auf der einen oder anderen Seite sein kann. Einerseits ist es natürlich für Eltern, die ein erhöhtes Risiko haben, eine Fehl- oder Totgeburt zu erleiden, eine willkommene "Entscheidungshilfe", ob das Kind behalten werden soll oder nicht.

Andererseits ist meiner Meinung nach jedes Leben, sei es noch so wenig entwickelt, schützenswert und darf nicht einfach in die Mülltonne gekippt werden. Auch birgt die Erlaubung der PID die Gefahr, dass in einigen Jahren die Einschränkungen gelockert werden, womit wir auf dem Weg zum perfekten Baby (Haar-& Augenfarbe ausgewählt, Größe soundso, IQ>130, bestimmte soziale Eigenschaften...), was sicher nicht menschlich ist, sondern die Menschheit langsam zu Robotern bzw von außen (Züchtern) gesteuerten Wesen mutieren, wie es in Huxleys "Schöne neue Welt" beschrieben wird...
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DarthHomer
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Re: Präimplantationsdiagnostik

Beitrag von DarthHomer » So 17. Jul 2011, 21:07

Was ist so schlimm daran, sich auszusuchen, welche Charakteristiken der Nachwuchs haben wird? Ich mein, ich würde intelligente Kinder vorziehen, warum soll ich dann, wenn ich die Möglichkeit habe, nicht sichergehen, dass ich ihn habe? Das Problem ist, dass die Intelligenz eines Kindes, genauso wie seine sozialen Eigenschaften, nicht vor der Geburt feststehen. Wie Sheldon Cooper schon sagt: "There's no guarantee that our sperm will generate high-IQ offspring."
Wenn sich Eltern das "perfekte Baby" heranzüchten wollen, bitte. Es ist keine Schande, sich ein Kind mit schwarzen/braunen/blonden Haaren zu wünschen. Ja, selbst blonde Haare und blaue Augen sind ein gültiger Wunsch, und den darf man doch gerne verfolgen.
Fazit: Ich würde auch nicht blind ein Auto kaufen. Mit einem Kind muss ich eher leben als mit einem Auto. PID ist eine gute Methode, sicherzugehen, dass man mit dem Kind zufrieden sein wird.
MfG,
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Re: Präimplantationsdiagnostik

Beitrag von ColaCheater » So 17. Jul 2011, 21:21

Also ich sehe das ein wenig Kritisch und nicht ganz so "locker" wie DarthHomer.
Ich denke man sollte nicht dazu kommen dass man sich wirklich "aus dem Katalog bestellt" welches Kind man haben möchte.

Wenn es unter bestimmten Einschränkungen steht und diese auch Wirklich eingehalten werden (und nicht unterwandert werden/werden können) finde ich es aber durchaus auch gut.
Letztenendes darf jeder selbst entscheiden ob er in seinem Fall diese Kontrolle machen will oder nicht. Aber wenn du als Eltern unter gewissen Erbkrankheiten Leidest oder eine Totgeburt o.ä. zu befürchten ist finde ich es durchaus gerechtfertig eine solche "Kontrolle" machen zu dürfen.
Es darf halt nicht zu sehr ausgeweitet werden bis jeder diese Untersuchungen machen darf und es eben zu solchen "Wunschkindern" kommt. Aber als Prävention bei Eltern wo es Gefährungen gibt ist es untersützenswert.
Ich fände es besser wenn solche Familien/Paare bei einem Kinderwunsch diese Möglichkeit haben, anstatt eventuell wegen dem hohen Risiko sich eben nicht diesen Wunsch erfüllen zu können.
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Katicro
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Re: Präimplantationsdiagnostik

Beitrag von Katicro » Mo 18. Jul 2011, 14:13

Bei Gefahr auf Behinderung etc. finde ich, sollte das auf jeden Fall erlaubt werden (auch wenn die Gefahr auf Missbrauch groß ist und es bestimmt einige Grenzfälle gibt).
Aber Designerbabys? Schon allein wenn ich daran denke, in welche Identitätskrisen ich mich selbst stürzen würde, wenn ich genau wüsste, dass ich nur deshalb so bin wie ich bin, weil ich so "herangezüchtet" wurde und nicht, weil ich etwas selbst bewirkt habe o.ä.
Außerdem, glaubst du im Ernst, es gibt dann noch viele, die eine normale Schwangerschaft ohne Einfluss haben wollen? Glaubst du im Ernst, es gibt welche, die keine intelligenten Kinder haben wollen? Und glaubst du im Ernst, dass ein Mensch mit einem IQ von überdurchschnittlich solche "niederen Arbeiten" machen würde wie Müll aufsammeln, Putzfrau sein etc.? (Ohne jetzt diese Berufsfelder schlecht machen zu wollen). Das Abitur und ein Studiumsabschluss würde vollkommen an Wert verlieren - würde dann ja schließlich fast jeder haben.
Ich denke, wenn man dermaßen in der Natur rumpfuschen würde, würde das die Menschheit in eine mittelschwere Katastrophe stürzen. Arbeitsplätze gehen verloren oder existieren schlichtweg nicht mehr, man verliert wesentliche Erkennungsmerkmale (z.B. dick zu sein) und irgendwie würde man doch auch sich selbst verlieren, oder etwa nicht? Es gibt keine "Stufen der Würde" mehr, man kann auf quasi nichts, das man erreicht hat, noch stolz sein, rein gar nichts wäre mehr etwas besonderes - könnte schließlich jedes Baby mit einem kleinen Eingriff auch machen.
On a hot summer night
would you offer your throat
to the wolf with the
red roses?
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