Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

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Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von schlafwandlerin » Sa 10. Okt 2009, 13:43

Eine etwas ältere "Kurzgeschichte" von mir. Dürfte ich vor etwa 3 Jahren geschrieben haben, also entschuldigt, wenn sie nicht so toll wie manch andere hier ist ;)


Unheimlicher Nebel

Nebel kommt auf.
Sein Schleier wird dichter.
Er umhüllt immer mehr die Umgebung.
Er sieht so schön aus.
Leise umgibt er dich,
so wie alles um dich herum.
Er nimmt dir den Atem.
Du frierst.

Plötzlich ertönt ein Schrei.
Du schaust dich erschrocken um.
Versuchst durch den Nebelschleier zu blicken.
Erkennst nichts.
Dein Atem geht schneller.
Panik breitet sich in dir aus.
Du läufst schneller.
Der Schrei ertönt noch einmal.
Du rennst durch den Nebel.
Suchst unbewusst etwas.
Was suchst du verzweifelt?

Ein Geräusch.
Ruckartig bleibst du stehen.
Bist ganz still.
Da hörst du es wieder.
- Ein Lachen.
Du kauerst dich ängstlich auf den Boden.
Das Lachen wird lauter.
Wer ist das?

Tränen laufen dir über das Gesicht.
Du vergräbst es in deinen Händen.

Das Lachen umgibt dich jetzt vollkommen.
Du schreist.
Hältst die Arme schützend vor deinem Kopf.
Es hört nicht auf.
Du versuchst vor diesem grausigen Lachen wegzulaufen,
durch den Nebel.
Es verfolgt dich.

Plötzlich hört es auf.
Du siehst vor dir eine Gestalt am Boden liegen,
blutüberströmt.
Langsam gehst du näher,
betrachtest das Gesicht vorsichtig.

Du erkennst ihn.
Da wird dir plötzlich alles klar:
Der Schrei – Er!
Das Lachen – der langsame, sichere Tod!

Verzweifelt kniest du dich neben ihn.
Packst seine Schultern
und schüttelst ihn leicht.
Er ist still.
Du nimmst seine Hand.
Sie ist eiskalt.
Ein Schrei entweicht deinen Lippen,
der in qualvollem Schluchzen untergeht.
Du begreifst,
dass er für immer still bleibt.

Du hältst ihn weinend im Arm,
während euch der Nebel immer mehr einhüllt...
»Musik« drückt das aus,
was nicht »gesagt« werden kann und
worüber zu »schweigen« unmöglich ist.
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von Toeby » Sa 10. Okt 2009, 14:32

Wow, das ist ziemlich eindrucksvoll..

Gänsehautfealing. Das ist echt gut geschrieben.
Eigentlich möchte ich ja nur den lustigen Strich unter meinem Beitrag, also das hier nicht als Signatur auffassen.
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von Yesuke » Di 13. Okt 2009, 17:08

wie geil, ich wollte auch mal eine geschichte in 'du'-form schreiben : O
aber jetzt wär das ja nicht mehr original ;P
sehr schoen geschrieben <3
The water is pulling me near...
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von schlafwandlerin » Sa 17. Okt 2009, 16:38

Vielen Dank ihr beiden :)

Die nächste Kurzgeschichte mussten wir für den Englischunterricht (vor einem Jahr) schreiben.


Thousands of people around me. On one side, everybody is a stranger to me. On the other side, I feel so close to them. Everything is familiar to me. The moving crowd, the lights, the music. But why am I here? I didn’t want to be here. At least, not yet.

I look at my watch. 7 pm. Two hours too early. I try to find a way out of the crowd to the stall with all the drinks. Around me, happy, sweating and bawling people who are looking forward where the shiny light and the loud music come from. I’m standing apart from the crowd with my beaker full of water.

Minutes pass away. Shall I go back?

Suddenly it becomes dark. Huge clouds cover the sun. I freeze to death. It begins to rain and big, fat rain drops try to hit me. I run back to the stall and other people follow me. Now it rains cats and dogs. As fast as it began, the rain stops.
I look at my watch. 8 pm. I’m channeling a way back to the crowd.

More minutes elapse. Soon it begins.

I’m waiting gladly thrilled for the beginning. Finally an incredible pressure spread in the crowd. It follows cheers, rhythmic clapping hands and joyfully jumps of the crowd in the mud. And me in the middle.

At 9 pm, the floodlights switch on.

Then, they are playing the first accords. The crowd is raging.
The guy next to me screams a name and other people yell this name, too. I’m calm and enjoy this amazing, touching moment.

Abruptly they are here. Right before me. The frontman begins to sing. I’m losing myself completely in the music and sing every single word with him.
This is exactly the moment when all your problems pass away.

At 11 pm, the lights turn off.

Overpowered, exhausted, content, sweating, happy, but sad about that it is over, I’m sally on to the campground. I’m crawling away into my bedroll. Will I see them again? Which bands will I watch tomorrow?

Festivals are so unpredictable.
»Musik« drückt das aus,
was nicht »gesagt« werden kann und
worüber zu »schweigen« unmöglich ist.
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von GeGGi » Sa 17. Okt 2009, 17:28

Absolut super.
Da bekomm ich richtig Vorfreude auf das nächste Festival dass ich besuche: NovaRock
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist.
Aber es wär deine Schuld wenn sie so bleibt!
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von Yesuke » Mi 21. Okt 2009, 15:55

Echt cool :D
ich mag englische geschichten mehr als deutsche, deswegen bin ich froh das du auch auf englisch schreibst. Ich verstehe litararisch deutsch kaum ;)
Ich find's echt lustig geschrieben : )
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Re: Kurzgeschichten einer Schlafwandlerin

Beitrag von schlafwandlerin » Mo 23. Nov 2009, 15:18

Ist eigentlich die einzige Geschichte, die ich auf englisch geschrieben hab ;)

Die nächste hatte ich auch mal für den Deutschunterricht geschrieben, da lautete das Thema "Die Geschichte eines alltäglichen Gegenstandes". Ich muss jedoch sagen, dass mir das Ende nicht gefällt, mag wohl daran liegen, dass ichs noch mehr ausbauen hätt sollen^^


Mein Leben als Taschenspiegel

Ich muss sagen, ich bin sehr erstaunt über mein aufregendes Leben. Kein Tag gleicht dem anderen, denn ich blicke immer in eine andere Welt, wenn man mich braucht.

Doch mein Leben war nicht immer so spannend. Jahrelang lag ich in der Ecke einer dunklen, staubigen Schublade und sah nie etwas anderes, außer meinen Nachbarn der Socke und der Strumpfhose. Leider waren sie nicht besonders gesprächig. Deshalb lebte ich in dieser Zeit so vor mich her und bekam nichts von der Außenwelt mit.

Eines Tages änderte sich mein stumpfsinniges Dasein schlagartig, als ich schmerzhaft auf einem kalten Untergrund landete und mich bei diesem Sturz zum Glück nicht verletzte. Heute vermute ich, dass es sich dabei um einen Laminatboden handelte. Auf jeden Fall sah ich nach diesem Aufprall in weiter Ferne die Socke liegen, doch die Strumpfhose konnte ich nirgends entdecken. Plötzlich erkannte ich über mir die Schublade, die für so lange Zeit mein Zuhause gewesen war und nun in eine Art Kommode zurückgesetzt wurde. Ich begann darüber zu schmunzeln, was hier vor sich ging, als ich merkte, wie ich hochgehoben wurde und plötzlich in das Gesicht eines jungen Mädchens blickte. Sie wischte mit ihrem Ärmel den Staub weg, der sich über mich gelegt hatte, und begutachtete mich eingehend. Nachdem sie damit fertig war, packte sie mich in eine Jackentasche und ich fand mich neben einem Labello und einer Packung Taschentücher wieder. Einige Stunden vergingen und nichts änderte sich an dieser neuen Situation. Ich begann mich zu fragen, wie es wohl meinen alten Nachbarn ging und was mir noch bevorstünde, bis ich merkte, wie ich mich bewegte und langsam, aber sicher aus der Tasche fallen würde. Im nächsten Augenblick passierte dieses Unglück auch und ich landete zum zweiten Mal an diesem Tag hart auf den Boden. Dieses Mal war es jedoch der Asphalt. Das junge Mädchen bemerkte von alldem nichts und ich sah, wie sie unbeirrt auf ihrem Fahrrad weiter fuhr. Ich habe sie nie wieder gesehen. Neben mir befand sich nun auf dem Asphalt ein großer Stein und eine Blume, die jedoch nicht besonders gut aussah, da sie vermutlich im Sterben lag. Einige Zeit passierte nichts und es wurde langsam dunkler. Die Straßenlaterne über mir schaltete sich ein und ihr Licht fiel auf mich. Ich bemerkte auf einmal, wie die Erde zu beben begann. Das Beben wurde immer stärker und ich sah ein Paar Schuhe neben mir. Im nächsten Augenblick griff eine Hand nach mir, die einem Mann zu gehören schien. Dieser überreichte mich und ich fand mich in der Hand einer Frau wieder, die mich betrachtete und in ihre Handtasche packte.

Ab diesem Zeitpunkt begann mein aufregendes Leben, da sich täglich immer jemand um mich kümmerte. Unter der Woche betrachtete die Frau mich und ich sah, wie sie sich auf ihren Arbeitsplatz meist nachschminkte. Am Wochenende schauten mich meist weitere Frauen, vermutlich ihre Freundinnen, in Diskotheken an, wenn der Spiegel auf der Toilette wieder einmal belegt war.
»Musik« drückt das aus,
was nicht »gesagt« werden kann und
worüber zu »schweigen« unmöglich ist.
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