KaThrins KurzgeschichTen

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Katicro
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KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Katicro » Mo 14. Sep 2009, 16:51

Das 4. Mal glaube ich, dass ich diesen Thread in einem Coldmirrorforum eröffne ^^ Ich werde erst mal nach und nach alle meine alten Geschichten hier posten (bin im Moment zu faul, das alles auf einmal zu machen). Neue werden aber auch irgendwann dazukommen.


Regen

Sie sitzt am Fenster und wartet auf das Gewitter. Es wurde für diesen Tag angekündigt, sie hat sich schon die ganze Woche darauf gefreut. Sie liebt Gewitter, es beruhigt sie und regt sie zum Nachdenken an. Dahinten, nicht mehr weit entfernt, kann man am Himmel die ersten dunklen Wolken erkennen. Leichter Wind lässt die Blätter der Bäume schaukeln und sie öffnet das Fenster, um die kühle Luft an ihren Wangen zu spüren. Sie kann den kommenden Regen schon fast schmecken, sie spürt ihn beinahe auf ihrer trockenen Haut. Da hört sie schon das Donnergrollen, dumpf und leise, aber sie weiß, dass das Gewitter in ihre Richtung zieht und bald direkt über ihren Kopf hängen wird. Sie schaut in den Himmel und freut sich.

Er flucht leise vor sich hin, ausgerechnet jetzt muss es regnen. Das ist mal wieder typisch sein Glück, wo er doch mitten im Park ist und keinen Schirm dabei hat. Eigentlich wollte er sich gemütlich unter einen Baum setzen und sein neues Buch lesen, aber jetzt regnet es. Wurde das nicht sogar im Wetterbericht angesagt? Sogar ein richtiges Gewitter mit Donner, Blitz und allem drum und dran? Seufzend beschleunigt er seine Schritte und spürt schlecht gelaunt einzelne Tropfen auf seinen nackten Armen. Er hat wegen den warmen Temperaturen absichtlich keine Jacke mitgenommen, aber jetzt ist es plötzlich kühl geworden, ein leichter Wind lässt ihm eine Gänsehaut über die Arme laufen. Er hofft wenigstens ein bisschen trocken zu Hause anzukommen, er hasst den Regen.

Ich gleite geräuschlos vorbei und beobachte. Etwas anderes mache ich nie, nur beobachten. Die Menschen, Tiere, Pflanzen, alles. Wenn ich genug gesehen und meine Schlüsse daraus gezogen habe, versuche ich mein Wissen an die Erde weiterzugeben. Ich entleere meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse in Form von Regen und hoffe, dass irgendjemand froh über mein Geschenk ist. Manche freuen sich über die Wassertropfen, die ich hinabschicke, aber noch hat niemand das aufgenommen, was ich ihnen mitgebe. Ich werde nie aufgeben, dazu ist mein Wissen zu wertvoll, mit jedem Regen nieselt es mit hinab und irgendwann wird derjenige, für den es bestimmt ist, es auffangen und mir dankbar sein. Und das, obwohl ich auch nur aus meinen Beobachtungen, die unbenutzt wieder zu mir zurückkehren, bestehe.

Sie lehnt sich weiter heraus und streckt ihre Finger in die kühle Luft, um mehr vom Regen spüren zu können. Jeden Tag, jede Stunde wartet sie am Fenster in der Hoffnung, diese geheimnisvollen Wassertropfen wieder sehen zu können. Sie spürt deutlich, dass in den durchsichtigen Perlen mehr zu finden ist als nur die natürliche Nässe. Jeder einzelne Tropfen ist kostbar, einzigartig und will etwas bestimmtes sagen. Sie weiß es einfach, schon seit sie ganz klein war wusste sie es. Und ganz tief in ihrem Herzen weiß sie auch, dass sie das Geheimnis bald lüften wird. Sie muss nur weiter warten, beobachten und glauben. Und dann, eines Tages, wird sie es spüren, die Bedeutung des Regens. Sie muss nur warten und den Wolken vertrauen.

Er wartet genervt, dass die Ampel endlich auf grün umschaltet. Nass ist er nun zwar so oder so, aber das ist in diesem Moment egal. Hauptsache raus aus diesem schrecklichen Regen, der außer zum Pflanzen bewässern zu nichts gut ist. Warum hat er auch nicht einmal auf den Wetterbericht gehört, wie sonst auch immer. Das hat er jetzt davon, er steht durchnässt in einem furchtbaren Sommergewitter. Blitze, Donner, Grollen. Wie er das hasst. An solchen Tagen würde er am liebsten das Haus nicht verlassen. Mit jedem Tropfen wird seine Laune schlechter, bis er schließlich vollkommen entnervt bei rot losläuft. Dass genau in dem Moment ein heller, blauer Blitz den Himmel erleuchtet, in dem das Auto ihn erfasst, das bemerkt er schon nicht mehr.

Ich bemerke eine Veränderung. Jemand nimmt sich mir an, in diesem Augenblick. Es ist ein Mädchen, fast noch ein Kind. Aber sie will verstehen und versteht. Sie beobachtet und zieht Schlüsse. Sie ist wie ich. Aber sie ist ein kleiner Mensch, der noch viel lernen muss. Und ich bin ab sofort ihr Lehrer, ich muss weiter meine Arbeit tun, für sie, für dieses Mädchen. Es gibt vieles, was sie verstehen muss und auch wird, ich muss es nur richtig machen. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken, alles wird so kommen, wie es kommen soll, daran kann ich nichts ändern. Zuerst muss sie verstehen, was das Leben ist, für mich, für sie, für ihn. Alles andere kommt danach, jetzt ist nur das wichtig.

Sie bemerkt eine Veränderung. Dieser eine besondere Tropfen, als er ihre Haut berührte, er hat ihr etwas übermittelt. Sie schließt die Augen und hört in sich hinein, sie bewegt sich nicht, sie atmet nicht, sie hört nur. Sie hört die wundervollen Stimmen des Regens, des Wassers, der Wolken, der Natur. Sie erzählen ihr ihre Erlebnisse, Gedanken, Wahrnehmungen. Sie zeigen ihr das, was sie seit etlichen Jahren gesehen und gehört haben. Sie versteht nicht alles, aber sie weiß, dass jede Einzelheit von Bedeutung ist und grade etwas besonderes mit ihr passiert. Plötzlich hört alles auf, sie hört und fühlt es nicht mehr. Sie öffnet die Augen und sieht, dass dieser bestimmte Regentropfen an ihrem Arm hinunterläuft und schließlich zu Boden fällt. Sie fühlt Traurigkeit.

Er liegt im strömenden Regen auf der Straße und bewegt sich nicht mehr. Menschen haben sich um ihn herum versammelt, der Autofahrer steht unter Schock und wird vom Notarzt versorgt. Aber für den Mann kommt jede Hilfe zu spät, er ist tot. Seine Seele gleitet aus seinem Körper hinaus, sie schwebt gegen die Regentropfen hoch zu den Wolken. Er hasst den Regen, aber das ist für ihn nun nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, sich zu den Wolken setzen zu können und dort zu beobachten. Er will mit der Wolke verschmelzen, mit dieser Wolke, die so viel weiß und so beruhigend aussieht. Die Wolke lässt ihn gewähren, auch wenn er den Regen hasst. Denn sie weiß, dass das nun keine Bedeutung mehr hat.

Ich schwebe weiter, ich kann nicht zu lange an einem Ort bleiben. Das Mädchen muss warten, bis ich wiederkomme, wie sie schon ihr ganzes Leben auf mich gewartet hat. Und ich werde weiter beobachten, für sie, für dieses Mädchen. Wenn ich dann wiederkomme, wird sie mich erwarten und sich freuen. Dann kann ich ihr mehr beibringen, um schließlich wieder für einige Zeit zu verschwinden. Solange, bis sie weiß, was Leben ist und bedeutet. Denn außer mir wissen das leider nur die Seelen der Toten. Deswegen schicke ich die Seelen, die zu mir kommen, in Form von Wasserperlen auf die Erde. Wenn das Mädchen alles begreift, dann ist meine Arbeit vollendet und ich werde nicht wieder kommen. Dann nimmt das Mädchen meinen Platz ein.

Im Grunde sind wir alle nur Regentropfen, die willkürlich und ungesteuert auf der Welt verteilt sind. Wenn man genau hinsehen würde, könnte man eine Wasserperle in jedem Menschen erkennen. Leider haben die Menschen verlernt zu beobachten. So werden die Wolken wohl immer die einzigen sein, die wissen, was Leben wirklich bedeutet. Und wenn wir die Gelegenheit haben, sie zu fragen, dann ist es nicht mehr wichtig. Dann ist unser Leben vorbei, ohne dass wir jemals wirklich gewusst haben, was es ist. Es scheint, als sei dieses Wissen nur für die Wolken bestimmt, die geräuschlos und sanft über unsere Köpfe hinweggleiten und beobachten. Hört man genau hin, hört man sie rufen. Sie rufen nach dem Mädchen, das alles versteht. Aber sie finden es nicht.
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Corucz » Mo 14. Sep 2009, 17:21

Immernoch toll xD
Was soll man auch noch sagen, wenn man es zum 4.Mal vorgesetzt bekommt. So schnell ändert sich die Meinung dann doch nicht^^
Keiner bescheidet sich gern mit dem Teile, der ihm gebühret,
Und so habt ihr den Stoff immer und ewig zum Krieg.
- Goethe
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von callunaful » Mo 14. Sep 2009, 20:50

Und für mich, das zweite oder dritte Mal, dass ich etwas zu dieser Kurzgeschichte schreiben! :D

Also, das erste was mir auffiel waren die verschiedenen Sichtweisen der einzelnen Personen. Zuerst fand ich es schade, dass es nur die beiden Extremen gab. Jemand der den Regen liebt und jemand anderen der den Regen hasst. Und dann natürlich die geheimnisvolle Person, bei der man nur spekulieren kann um wen es sich handelt. Ich hatte mir gewünscht noch mehr Personen mit anderen Sichtweisen zum Thema Regen kennenzulernen.
Allerdings ist mir dann zum Ende hin auch erst aufgefallen, dass diese drei Personen irgendwie miteinander zusammenhängen, auch wenn man nicht genau weiß wie die zueinander stehen.
Aber genau das mag ich an der Geschichte. Sie lässt vieles für eigene Spekulationen offen und man hat Platz für eigen Gedanken und Sichtweisen. Die Geschichte hat wirklich viel Tiefe!
Also Fazit: Geile Story, sowas lese ich immer wieder gern! ^.^

Habs aus der alten CMC kopiert. Ich bin immer noch der selben Meinung. Die Geschichte ist einfach super *Daumen hoch*
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Katicro » Di 15. Sep 2009, 15:42

Hier jetzt alle anderen alten Geschichten.
Gewitter

Peng. Knapp vorbei, sehr gut, das gibt Punkte. Freudiges Grollen und Grölen erfüllt den Himmel und lässt die Erde erzittern. Peng. Getroffen, verdammt. Diesmal sind es die anderen, die sich gegenseitig abklatschen und mich auslachen. Na warte, das wäre ja gelacht. Peng. Nicht mal im Ansatz war da ein Mensch in der Nähe, aber immerhin. Niemanden getroffen. Das gibt trotzdem Punkte. Ja, Tabellenerster! Sehr gut, jetzt nur nicht schlappmachen. Peng. Grollen und Grölen.

Peng. Ich zucke erschrocken zusammen, schaue ängstlich nach oben. Regen prasselt mir in das Gesicht. In meinen Augen spiegeln sich die Blitze wieder, die den Himmel durchleuchten. Peng. Überall Donnergrollen und Blitze. Ich drehe mich schnell um und renne nach Hause. Das Gewitter scheint sehr nahe zu sein, lieber nichts riskieren.

Peng. Entnervt rolle ich die Augen und schicke einen Fluch Richtung Decke. Blödes, elendes Mistwetter. Mit Zornesfalten starre ich den Fernseher an, dessen Bild aus lauter kleinen schwarzen und weißen Punkten besteht. Scheiß Gewitter! Regenjacke an, Leiter geholt und rauf aufs Dach. Wäre ja gelacht, wenn ich mir die Sendung von so einem dämlichen Blitz vermiesen lassen würde, ich rück einfach die Antenne wieder grade. Pah.

Peng. Hach, ist das herrlich. Das tut so richtig gut, nach Wochenlanger Öde wieder richtig loszulegen. Mit aller geballten Kraft meine Energie entladen. Warum also daraus nicht ein Spiel machen? Das haben wir uns gedacht und haben es auch umgesetzt. Viele Punkte gibt es, wenn man möglichst dicht an einen Menschen herankommt, ihn aber nicht tötet. Trifft man ihn doch, gibt’s Punkteabzug. Toller Wettbewerb, ich bin einer der Besten. Ich treffe so gut wie nie einen Menschen.

Peng. Ich laufe einen Schritt schneller, das Gewitter ist in gefährlicher Nähe zu unserem Dorf. Peng. Weißes Licht, Schreie, Schmerzen. Tod? Ist das der Tod? Gelächter. Wer lacht da? Was ist lustig an meinem Tod? Ich wage es nicht zu gucken. Lach du nur, du bist auch irgendwann dran, wie ich. Lach du nur...

Peng. Ich falle vom Dach, kann mich nicht mehr an der Dachrinne festhalten. Scheiß Wetter! Das denke ich noch, dann pralle ich auf dem Boden auf. Mit dem Kopf zuerst. Gelächter. Pah, dämliche Blitze. Lacht ihr nur, ich werde mich schon noch bei euch rächen.

Peng. Peng. Zwei Tote. Mist, Mist, Mist. Die anderen lachen mich aus. Das war es dann mit dieser Runde, den ersten Platz kann ich abschreiben. Na klasse. Spaß hat es trotzdem gemacht. Schlechtes Gewissen ist in meiner Gestalt fehl an Platz, für das Nachdenken ist der Regen verantwortlich. Ich mache einfach nur das, was ich lustig finde. Peng.





Mutter

Ratsch. Da lag das Bild, zerrissen, von meinem eigenen Vater. Ich spürte die Tränen in mir aufsteigen und blickte hasserfüllt auf. Er beachtete mich nicht, grinste in Richtung des Fernsehers. „Na, na!“ Mehr konnte er nicht sagen, um mich zu beruhigen. Es tat ihm nicht mal Leid, das merkte ich. Noch nie hatte ich so einen Drang, ihm die rote Vase mit ganzer Kraft auf den Kopf zu schleudern. Rot, rot wie meine Wut. Ich drehte mich auf den Absatz um und schlug die Haustür hinter mir zu. Wieder einmal. Und wieder einmal schwor ich mir, nie nach Hause zurück zu kehren. Wieder einmal wusste ich, dass ich nicht stark genug war. Meine Schritte wurden langsamer, immer langsamer. Ich blieb stehen. Drehte mich um. Sah das Haus. Ich seufzte tief. Er hatte gewonnen, wie immer. Ich ging zurück, öffnete die Tür und ging zu ihm. „Machst du den Abwasch?“ Natürlich ich. Wer sonst. Ich wehrte mich ja nicht, das wusste er. Ich hasste ihn, ich hasste ihn so sehr. „Ja.“ Ich ging in die Küche und wusch ab. Das zerfetzte Bild würde ich nicht wegschmeißen, diese Arbeit würde ich ihn machen lassen. Wütend schrubbte ich das Fett von der Pfanne ab. Langsam, um Zeit zu gewinnen. „Räum diese Bildteile weg!“ Ich schloss die Augen, atmete durch. Zählte bis zehn. „Ja.“ Ich ging zu dem Bild und hob es auf. Ich trug es vorsichtig zum Mülleimer. Und warf mein letztes Stück Würde weg.


Gitterliebe

Lustlos stochert sie in ihrem Essen rum. Ich beobachte sie dabei, halb amüsiert, halb traurig. Sie schiebt ein Stück Fleisch von der einen Tellerseite auf die andere. Dann seufzt sie gequält.
„Hey, schau mich an, Kleine“, sage ich in einem liebevollen Ton. Ich nenne sie schon seit Ewigkeiten Kleine. Genervt hebt sie den Kopf.
„Was?“, faucht sie.
Überrascht ziehe ich eine Augenbraue hoch. „He, mal langsam! Das ist nicht meine Schuld.“ Sie verdreht ihre Augen, dann widmet sie sich wieder voller Unlust ihrem Teller. Bedrückt schaue ich sie an.
„Hör mal, ich meine...“
Mit einem Blick bringt sie mich zum Schweigen. Einen Moment lang starre ich sie noch an, dann stehe ich verärgert auf. „Ok, wie du willst. OKAY.“
Ich drehe mich schwungvoll um und stürme aus dem Raum. Viele Augenpaare sind dabei auf mich gerichtet.
Vor der Tür bleibe ich stehen, atme tief durch.
Es ist nicht ihre Schuld. Es ist nicht ihre Schuld. Es ist nicht ihre Schuld.
Plötzlich steht sie vor mir. Sie nimmt meine Hand und drückt sie leicht. Eine Weile stehen wir so da.
„Wir sollten wieder reingehen... Sonst werden wir nicht mehr solche Freiheiten bekommen“, flüstert sie, den Blick auf den Boden gerichtet. Ich nicke langsam.
„Ja“, sage ich.
Wir gehen wieder zurück in den Raum und setzen uns zu den restlichen Gefangenen.


Künstlertod

Nachdenklich schaut er aus dem Fenster. Was kommt als nächstes?
Er zieht eine Augenbraue hoch. Dann die andere. Lässt beide wieder fallen.
Blau!
Er nimmt den Stift und malt eine schöne geschwungene Linie. Perfekt! Zufrieden nickt er.
Er leckt sich über die Lippen. Drückt die Zunge in die linke Wange. Dann in die andere.
Gelb?
Er schnalzt mit der Zunge.
Eine weitere blaue Linie findet Platz in dem Kunstwerk.
Seine Stirn legt sich in Falten. Er wackelt mit den Ohren.
Er macht die Augen zu und greift blind nach dem roten Stift. Warum nicht?
Das Gemalte wird immer vollkommener.
Kopf auf die linke Schulter. Dann auf die rechte. Er lehnt sich zurück.
Ein schwarzer Kreis wird hinzugefügt. Erfreut beendet er sein Bild mit einem letzten, vollkommenen Strich.
Er betrachtet es. Nickt anerkennend. Das ist eindeutig eines seiner besten Bilder.
Lächelnd dreht er sich um und springt von dem Dach.


Vergessene Braut

Alleine steht sie vor dem Altar. Alle anderen haben schon aufgegeben, sind gegangen. Keine Gäste mehr auf dieser Hochzeit. Niemand war bereit, bis in die Nacht zu warten. Nur sie. Auf ihrer Hochzeit ohne Bräutigam.
Zweifel hat sie nicht. Er wird noch kommen. Er ist Stunden zu spät, aber er wird noch kommen. Sie weiß es, er liebt sie. Und sie liebt ihn. Über alles. Niemals würde er ihr das antun.
Dass es längst keine Gäste mehr gibt stört sie nicht. Auch dass der Pfarrer weg musste ist in ihren Augen kein Problem.
Man braucht nur einander.
Sie wartet.
Es wird kalt, aber es ist ihr egal.
Er lässt sie nicht alleine. Er wird kommen. Sie ist sich sicher.
Sie wartet.
So sehr sie sich auch bemüht die Kälte und die Schmerzen in den Beinen vom langen Stehen zu ignorieren, müde wird sie trotzdem. Es ist spät in der Nacht.

Stunden später wacht sie auf. Sie ist auf dem Boden eingeschlafen.
Ein Kuss hat sie geweckt.
Sie öffnet ihre Augen nicht.
„Ich will“, flüstert er.
Sie lächelt.
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FanorilAsaeh
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von FanorilAsaeh » Do 17. Sep 2009, 22:32

Ich freu mich auf jeden Fall diesen Threadf hier zusehen, aber ich muss zugeben, dass es etwas gibt, was mich noch viel mehr Freuen würde - mehr Kurzgeschichten von dir.

Zu der ersten Kurzgeschichte: kann ich nur meiner Vorrednerin recht geben; also in Bezug auf das schöne Spiel zwischen oh-ich-mag-Regen und oh-ich-mag-keinen-Regen (und natürlich Mr. Wolke selbst ^^). Wo ich nicht ganz mit übereinstimme ist der (Erst-)Eindruck, dass zwei Extremen zu wenig wäre für solch eine Geschichte; denn diese Geschichte sagt soviel sie muss, aber so wenig sie will, was den gewissen Reiz hier ausmacht.

Aber ich quatsche schon wieder en bisschen viel, weil erfahrugnsgemäß ab eienr bestimmten Anzahl an Zeichen, kein Schwein das hier mehr liest ( udn da helfen nur Absätze ^^).

Aber wie gesagt ich freu mich auf mehr (& vor allem auf Neues).
Ein leerer Himmel verschluckt die Muse,
Des Herzen voll, die Feder laicht,
Ideen, Gedanken, alles Buße,
Und der Mut dem Mutigen weicht.
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Katicro
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Die beste Nacht

Beitrag von Katicro » Sa 10. Okt 2009, 20:38

Gelöscht wegen zu brutalen Inhalten

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Corucz
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Corucz » Sa 10. Okt 2009, 21:18

Die Geschichte ist grauenhaft und das ist kein Stück positiv gemeint. Denk nochmal drüber nach, wenn du wieder normal bist, sonst hast du definitiv ein großes Problem mit dir selbst
Keiner bescheidet sich gern mit dem Teile, der ihm gebühret,
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DOCH KEINER WEIß WIE ICH FÜHLE.

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DOCH KEINER WEIß WAS ICH DENKE.

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DOCH KEINER SIEHT MEINE TRÄNEN.

JEDER MEINT MICH ZU KENNEN,
DOCH KEINER KENNT MICH WIRKLICH.
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Mars » Sa 10. Okt 2009, 22:33

uff... sehr, sehr krass...
Es gibt nur eins was ich gerne sagen würde... das werde ich aber nich... Devise heißt: Kein Risiko!!!......... Milôn echî
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Fantasie

Beitrag von Katicro » Sa 30. Jan 2010, 16:16

„Ich wünsche mir einen Stopper. Wenn die Zeit zu schnell vorbeigeht, einfach „Stopp!“, und schon geht alles bis auf mich viel, viel langsamer. Oder hört ganz auf. Ja, das wäre toll. Was man damit alles machen könnte: Unglücke verhindern, alles in Ruhe machen, nichts aufschieben müssen, Leute ärgern, alles lange genießen können. Man würde nie wieder den Bus verpassen. Nie zu spät zur Schule kommen. Stunden am Stück schlafen, obwohl nur eine Sekunde vergangen ist. Man könnte die Sternenform der Schneeflocken ganz genau angucken, während sie fallen. Ich könnte mein ganzes Leben leben, in nur wenigen Sekunden. In der Schule könnte ich während den Arbeiten einfach mal die zeit anhalten und gemütlich die Antworten der anderen angucken.“

„Ist das dein Wunsch?“

Ich überlege.

„Nein“, sage ich langsam. „Nein, ich denke nicht. Ich wünsche mir lieber ewiges Leben. Ich würde alles auf der Welt sehen, ich würde alles wissen, alles mal gemacht haben. Ich könnte meinen Ururururururururenkeln von Zeiten erzählen, von denen niemand mehr etwas weiß. Jeder würde mich kennen lernen wollen, jeder würde meinen Namen wissen. Nichts könnte mich überraschen, nichts könnte mich töten. Ich wäre so etwas wie ein Gott auf Erden.“

„Ist das dein Wunsch?“


Ich überlege.

„Nein“, sage ich langsam. „Nein, ich denke nicht. Ich wünsche mir lieber Frieden für die Welt. Es würde niemals wieder einen Krieg geben, jeder würde sich mögen, die größten Probleme wären beseitigt. Jeder könnte sich gegenseitig helfen, niemand müsste mehr Angst haben, umgebracht zu werden. Alle wären glücklich, alle wären friedlich.“

„Ist das dein Wunsch?“

Ich überlege.

„Nein“, sage ich langsam. „Nein, ich denke nicht. Ich wünsche mir lieber genug Essen für jeden Menschen. So viele Hungertode könnten verhindert werden. Keine kleinen Kinder müssten mehr leiden, weil sie nichts zu Essen haben. Keine Mutter müsste selbst auf Nahrung verzichten, nur um die hoffnungsvollen Augen und die knurrenden Mägen ihrer Kinder zu befriedigen.“

„Ist das dein Wunsch?“

Ich überlege.

„Nein“, sage ich langsam. „Nein, ich denke nicht. Ich wünsche mir den Tod.“

Ich bin weg.



„Ist sie... ist sie...?“
„Es tut mir Leid.“ Es scheint ihm wirklich Leid zu tun.
„Hat sie noch etwas gesagt?“

„Nein. Ich denke, sie ist glücklich gestorben.“

Ich lächle unter Tränen.
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Pace
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Re: KaThrins KurzgeschichTen

Beitrag von Pace » Mo 1. Feb 2010, 00:47

Wieviele Figuren kommen in der Geschichte vor?
Mal abgesehen von dem Flaschengeist oder dieser Wünsche erfüllenden Macht.
Es scheint dieses "Ich" zu geben, dass die Wünsche äußert.
Dann noch jemanden, der nach dem Tod des "Ichs" die Frage nach dem Verbleib des "Ichs" stellt.
Aber dann lächelt noch ein "Ich" unter Tränen.
Ist dieses "Ich" das tote "Ich"?
Oder ist der Fragensteller zum "neuen" "Ich" geworden?

Die Aussage, dass das "Ich" glücklich gestorben ist würde darauf hinweisen, dass es sich bei der unter Tränen lächelnden Person um den oder die Tote/n handelt. Lächeln + Freudentränen?
Wobei das für mich die Frage aufwirft: Können Tote Lächeln? Lächeln ist eine Tätigkeit und Tote tun idR. wenig XD
Dann bleibt noch die Möglichkeit, dass die fragende Person zum neuen "Ich" wird und sich einerseits über den Tod des alten "Ichs" freut, aber andererseits Trauer empfindet.
Gewagte These: Das neue "Ich" war eine vorher unterdrückte Persönlichkeit, die nun nach dem Ableben des dominanten "Ichs" die Kontrolle übernimmt, also zum "Ich" wird. Das könnte erklären, warum die fragende Person nicht früher in Erscheinung tritt. Sie konnte nicht.
Tränen und Lächeln könnten auch hier ein Ausdruck der Freude über die Freiheit sein, oder das neue "Ich" vermisst im Nachhinein das alte "Ich" trotz der Notwendigkeit seines Todes für die Freiheit des unterdrückten "Ichs"

Wie gesagt, sehr gewagt XD In die restlichen 90% der Geschichte interpretiere ich ein andermal was rein ;P

Sonst, na ja kann nicht so recht nachvollziehen, warum sich das Ich tötet, obwohl es doch alle Möglichkeiten hat. Vllt. ist ja grade das der Grund? Kann es sich nicht entscheiden?
Geschichte ist so lala aber lässt viel Spielraum für eigene Gedanken.
3 von 5 Sternen ;)
Und wenn das jemand zu Ende gelesen hat, was ich geschrieben habe, dann bekommt er auch einen Stern und darf sich in die Signatur schreiben:
"Ich habe einen Stern von Pace bekommen"
(Katicro hat dann natürlich 4 Sterne :) )
"Im Tod werden unsere wahren Ausmaße offenbar, und die sind erstaunlich bescheiden"
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