Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

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Zyt0n
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von Zyt0n » Mi 16. Dez 2009, 13:55

ich für meinen teil bin stolz in einem (relativ) freien land zu leben
z.b. pressefreiheit, und freie wahlen
ich mag deutschland als land schon aber ich bin nich direkt stolz deutscher zu sein
sondern vielmehr bin ich stolz darauf einem land anzugehören wo noch ein bisschen recht und ordnung herscht und es noch halbwegs demokratisch usw. zugeht
wenn man deutschland z.b. mit ländern wie kenia vergleicht
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PepperAnn
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von PepperAnn » Mi 16. Dez 2009, 23:17

Ich schließe mich da Ragnar an. Ich bin stolz auf meine eigenen Leistungen, darauf, was ich aus dem mache, was mir zur Verfügung gestellt wurde.
Ich fühle mich wohl in Deutschland, es gibt aber auch viele andere schöne Länder.

Wenn jemand sagt, er sei stolz ein Deutscher zu sein, finde ich das zwar nicht sinnvoll, aber ich werde rasend, wenn dieser jemand dann deswegen fertig gemacht wird.
Unser Land hat schlimme Zeiten gesehen, aber da ist es nicht das einzige. Ich und jeder andere, der danach geboren wurde, können nichts dafür. Es kommt doch wohl darauf an, was wir jetzt tun und nicht darauf, was unsere Vorfahren taten.

Deutschland hat Reue genug gezeigt. Natürlich sollte man immer daran erinnern, damit so etwas nicht wieder geschieht! Wir bauen Mahnmale und Gedenkstätten, damit wir uns nicht mehr als Nazis beschimpfen lassen müssen.
Aber wie wäre es, das Geld dafür Leuten zukommen zulassen, die am Hungertuch nagen? Wäre es nicht eine weitaus sinnvollere Investition, wenn die ehemaligen Nazis ihren überschüssigen Reichtum für hungernde Ausländer statt irgendwelcher Steinbauten ausgeben?
Ein gewisser Zentralrat wäre sicherlich empört!
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von Ragnar » Do 17. Dez 2009, 00:24

PepperAnn hat geschrieben: Wenn jemand sagt, er sei stolz ein Deutscher zu sein, finde ich das zwar nicht sinnvoll, aber ich werde rasend, wenn dieser jemand dann deswegen fertig gemacht wird.
Ich würde da die Motivationsfrage stellen. Die wenigsten Leute, die sich selbst diesen "Stolz" zuschreiben, halte ich für sonderlich weitsichtig. Es sei denn, sie liefern mir einen triftigen Grund dazu, der meinen Horizont übersteigt. Dann ziehe ich meinen Hut. Das ist bisher noch nicht geschehen. Bei den meisten mir bekannten Leuten, die diesen Stolz bekunden, steht jener eher als eine emotionale Ersatzhandlung, um das eigene (gebeutelte) Ego zu pushen;- frei nach dem Motto: Wenn man nichts hat, ist man immer noch Deutscher.
Jene, die wie die Lemminge auf Personen eindreschen, die derlei Dinge sagen, weil es politisch nicht korrekt ist, zeigen in peinlich-zynischer Manier wie wenig sie vom schädlichen Wesen des Nationalsozialismus verstanden, aber wie viel sie von ihm verinnerlicht haben.
Unser Land hat schlimme Zeiten gesehen, aber da ist es nicht das einzige. Ich und jeder andere, der danach geboren wurde, können nichts dafür. Es kommt doch wohl darauf an, was wir jetzt tun und nicht darauf, was unsere Vorfahren taten.
Jaja, aber die christliche deutsche Nation mag so etwas auch: Erbschuld. Das ist wirklich klasse. Solche Schuldkomplexe können einen richtig prima geißeln und Möglichkeiten zur gegenseitigen Geißelung geben. Hat man immerhin wieder was zu beichten.
Deutschland hat Reue genug gezeigt. Natürlich sollte man immer daran erinnern, damit so etwas nicht wieder geschieht! Wir bauen Mahnmale und Gedenkstätten, damit wir uns nicht mehr als Nazis beschimpfen lassen müssen.
Wir bauen vor allem Mahnmale und Gedenkstätte und installieren die bescheuertsten Verbote, damit wir nicht aus der Vergangenheit lernen müssen. Das will ja keiner. Es darf ja nicht so weit gehen, dass wir unser eigenes Herdenverhalten überdenken, nein, wir gedenken der NS-Zeit mit den absurdesten Verboten, die belegen, dass wir überhaupt nichts gelernt haben. Wenn jemand "Arbeit macht frei!" in einer Fernsehshow sagt, dann wird er entlassen. Wenn Eva Herman das Wort "Nationalsozialismus" nur in den Mund nimmt, dann wird eine Hetzjagd samt skandalösem Talkshowbashing veranstaltet, die jedem DDR-Kind Erinnerungen zurücktreibt. Lippenbekenntnisse, alles Lippenbekenntnisse! "Sowas darf nie wieder geschehen!"... Hmhm... Gelernt ham wa darüber nichts. Im Gegenteil. Diese Gesellschaft ist so diktaturanfällig, so durch und durch gutgläubig, dass genau so etwas wieder passieren könnte. Nicht mehr mit Juden, das hat ein zu starkes Geschmäckle... Aber das christliche Abendland hat ja jetzt einen neuen Feind. Wie wäre es mal mit Moslems? Hrm, da hatten/haben wir ja schon die Anfänge gesehen. Alles hat seine Evolution. Warten wir nochmal zehn Jährchen.
Aber wie wäre es, das Geld dafür Leuten zukommen zulassen, die am Hungertuch nagen? Wäre es nicht eine weitaus sinnvollere Investition, wenn die ehemaligen Nazis ihren überschüssigen Reichtum für hungernde Ausländer statt irgendwelcher Steinbauten ausgeben?
Ein gewisser Zentralrat wäre sicherlich empört!
*grins* ketzerischer Kommentar, gefällt mir. Auch wenn ich den ursprünglichen Sinn Deines Kommentars nicht entstellen möchte;- es wäre schon wünschenswert, erst einmal die hiesigen sozialen Probleme zu lösen. Aber mir ist schon klar, worauf Du hinaus willst.
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PepperAnn
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von PepperAnn » Do 17. Dez 2009, 09:23

*grins* ketzerischer Kommentar, gefällt mir. Auch wenn ich den ursprünglichen Sinn Deines Kommentars nicht entstellen möchte;- es wäre schon wünschenswert, erst einmal die hiesigen sozialen Probleme zu lösen. Aber mir ist schon klar, worauf Du hinaus willst.
Danke, danke. :boese:
Da hast du natürlich recht, wir haben hier im eigenen Land auch genug zu tun, dennoch denke ich, dass tatsächlich etwas überbleiben würde, wenn die Damen und Herren, die die Macht dazu haben, wirklich versuchen würden, das zur Verfügung stehende Geld sinnvoll zu investieren.

Ein Beispiel, was mich in letzter Zeit ganz besonders aufgeregt hat: http://www.earthinpictures.com/world/ge ... mal%29.jpg

Man hätte statt dessen auch ein Bild malen können, das würde nicht die Gegend verschandeln und Mensch und Natur unnötig Platz wegnehmen. Ich finde in Zeiten von Überbevölkerung und Klimaproblemen kann man sich bei so etwas nur an den Kopf greifen.
Ich hoffe, dass die Kinder, die dort in der Nähe wohnen und garantiert nicht genügend Spielplätze zur Verfügung haben, wissen, was sie damit machen könnten. Ich finde, es eignet sich zum Beispiel ganz doll zum Versteckspielen ^^

Und bevor jetzt irgendwer auf den Gedanken kommt: Ich habe nichts gegen Menschen jüdischen Glaubens. Ich habe Probleme mit Kirchen allgemein und mit Zentralräten, deren Dauerbeschäftigung es ist, empört zu sein.
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von Ragnar » Do 17. Dez 2009, 13:08

PepperAnn hat geschrieben: Danke, danke. :boese:
Da hast du natürlich recht, wir haben hier im eigenen Land auch genug zu tun, dennoch denke ich, dass tatsächlich etwas überbleiben würde, wenn die Damen und Herren, die die Macht dazu haben, wirklich versuchen würden, das zur Verfügung stehende Geld sinnvoll zu investieren.
Das bezweifele ich arg. De facto haben fast alle kapitalistischen Länder extremste finanzielle Probleme; gerade Deutschland nach der desolat ungeplanten Wiedervereinigung. Darüber hinaus bin ich auch der größte Gegner der sog. "Entwicklungshilfe", die oftmals nur ein "Abfüttern" beinhaltet. Ich bin generell für (staatliche) Eigenverantwortung, aber wenn ich in Entwicklungshilfe investiere, dann erwarte ich ebensolche. Das was von den etablierten großen Organisationen geleistet wird, ist- gerade im Bezug auf ärmere afrikanische Staaten- ein allmonatliches Abfüttern, Abhängigmachen und im schlimmsten Falle (Kirchen) Instrumentalisieren zu Propagandazwecken (frei nach dem Motto- Du bekommst ein Fahrrad, warme Mahlzeit oder Geld, dafür radelst Du durch die Dörfer Deiner unterentwickelten Freunde und lehrst die Bibel). Der moderne Rassismus wird meines Erachtens sehr schön in Beecher-Stowes "Onkel Toms Hütte" portraitiert: Der Neger ist immer arm, unschuldig und hilfsbedürftig und wir, die sozial und finanziell erhabenen Weißen, müssen uns diesem armen hilfesuchenden Geschöpf hingeben, weil uns die gottgegebene Überlegenheit dazu verpflichtet. Bäääh! Diese Form des Rassismus' wird natürlich gerade in der Weihnachtszeit wieder schön bedient: viele Bilderchen von armen Kinderlein mit Hungerbäuchen und ganz schrecklich traurigen Kulleräugchen ... Jaja, da klingelt es in der Ablaßkasse.
Die einzige Ausnahme von der gierigen Spendenregel scheint mir Herr Karlheinz Böhm mit seiner Organisation "Menschen für Menschen" zu sein. Er liebt Äthiopien, er lebt dort und nach einem direkten Gespräch glaube ich ihm das meiste was er sagt, auch wenn er logischerweise ein guter Schauspieler ist. Aber darüber hinaus stehen auch die Taten der Organisation für sich; man hilft einzelnen Gemeinschaften an Wasser zu kommen, Landbau zu betreiben und sich selbst zu helfen. DAS ist Entwicklungshilfe im wortwörtlichen Sinne. Wer sich dafür einsetzen will, der möge das tun. Ich selbst bin für solcherlei zu egoistisch. Meine weltverbesserischen Zeiten sind vorbei; es ist nun einmal eine (für viele traurige) Logik, dass es Gewinner und Verlierer gibt, überall, und dass dies vollkommen ungerecht verteilt ist: für jedes Glück auf diesem Planeten muss irgendwo jemand leiden. Das ist ein Kreislauf, den man durch keine Entwicklungshilfe der Welt verändern könnte. Kommunismus für alle würde nur in einem noch größeren Leid enden.


Und das Stehlenfeld: Ja, ein sehr sinniges Mahnmal, wirklich ... Aber das war abzusehen. Eine derart einsichtige Nation braucht ja auch ein opulentes Mahnmal! Wenn man mehr Aufklärung über die Herkunft und den Nährboden des Nationalsozialismus' betreiben und weniger auf niedere Instinkte wie Mitleid und emotionaler Betroffenheit setzen würde, dann hätten wir sicherlich aus dem Nationalsozialismus einiges gelernt: Zum Beispiel wie groß die Rolle des Opportunismus, des gemeinschaftlichen Auf-Etwas-Herfallen dabei ist und wie wenig stures Folgen von Obrigkeiten zu etwas führt. Leider hat dies ja nicht einmal geklappt- also: machen wir ein unsinniges Mahnmal! Dann werden die Immobilienpreise in Berlin wenigstens wieder etwas höher ...
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von PepperAnn » Do 17. Dez 2009, 16:56

Der Neger ist immer arm, unschuldig und hilfsbedürftig und wir, die sozial und finanziell erhabenen Weißen, müssen uns diesem armen hilfesuchenden Geschöpf hingeben, weil uns die gottgegebene Überlegenheit dazu verpflichtet.
So sehe ich das ehrlich gesagt nicht. Es kann aber auch eben nicht sein, dass wir hier in Saus und Braus auf Kosten anderer leben. Wenn du als Kind dort geboren wirst, kannst du erst einmal nichts für deine Situation. Ich halte mich nicht für überlegen, aber ich muss mir keine Sorgen machen, ob ich morgen sterbe, weil ich entweder nix zu fressen habe oder aber an meiner Arbeit verrecke.
für jedes Glück auf diesem Planeten muss irgendwo jemand leiden. Das ist ein Kreislauf, den man durch keine Entwicklungshilfe der Welt verändern könnte. Kommunismus für alle würde nur in einem noch größeren Leid enden.
Ich bin keine Kommunistin. Aber das sehe ich ganz und gar nicht so.
Natürlich kann man nicht alle Menschen glücklich machen, das hat jeder Einzelne irgendwo auch noch selbst in der Hand. Aber ich muss auch nicht auf Kosten anderer glücklich sein. Das halte ich, ehrlich gesagt, für selbstgerechten Humbug.
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von Ragnar » Do 17. Dez 2009, 17:14

Je mehr wir in unbekannte Gesellschaften eingreifen, umso mehr verschlimmern wir die Situation. Die sog. "westliche Welt" ging einen vollkommen anderen Weg als (afrikanische) Eingeborenenstämme, die größtenteils mit der Natur im Einklang lebten. Erst haben wir jene geknechtet und ihre Arbeitskraft für uns ausgebeutet, jetzt verkommen sie zu Schoßhündchen, die auf die Lebensmittelausgabe warten. "Wohlstand für alle" ist der selbstgerechte Humbug, wie man ihn dieser Tage von demokratischen Ideologen und Globalisierungsbefürwortern hört; das was wir für Wohlstand halten, das was wir als "Menschenrecht" definieren und in unserem kleinen Mikrokosmos entwickeln, ist nicht zwangsläufig für andere Gesellschaften angebracht. Die "Entwicklungshilfe" im Allgemeinen (mit der von mir erwähnten Ausnahme) hat bestimmte Regionen regelrecht zerstört. Dort leben Leute, die nur noch darauf warten, gefüttert zu werden.
Eigene Entwicklungen liegen dort seit Jahrzehnten brach. In den meisten Stämmen gibt es noch irgendwelche älteren Mahner, die von den Zeiten berichten, als die Weißen nicht herkamen und das Essen herkarrten, als man noch in einer funktionierenden Gesellschaft zusammen das Überleben organisiert hat; dies alles hat die "Entwicklungshilfe" hoffnungslos zerstört. Und obendrein noch die einzelnen Stammeskulturen, die mehr und mehr von "christlicher Entwicklungshilfe" unterwandert und endgültig zerstört werden.
Wir greifen weiterhin in Kreisläufe ein, von denen wir keine Ahnung haben. Wir sehen aufgemotzte Bilder,- die extremsten Ausschnitte des Elends- und werden durch Emotionen gepackt. Im Endeffekt nähren wir aber nur die "Entwicklungshilfeindustrie", die nichts anderes tut, als Zustände noch zu verschlimmern.
Der Arbeitseinsatz eines Karlheinz Böhms ist langfristig sinnvoll- alles darüber hinaus ist eine Domestizierung ärgerlichen Ausmaßes. Mit der dritten Welt hat die westliche ihr Kuscheltierchen gefunden; den armen verwahrlosten Untermenschen, den es zu streicheln und zu füttern gilt und man kann sich selbst etwas darauf einbilden, wenn man jenen noch adoptiert oder auch nur Geld zuschickt, um dann einmal in fünf Jahren ein bißchen Terrorsightseeing zu machen und sich anzuschauen, wie schrecklich heruntergekommen denn das eigene menschliche Tamagotchi lebt. Das ist nur wieder eine weitere Form von Rassismus; sehr subtil, aber vielleicht noch um einiges widerlicher als andere Formen des Rassismus'.
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von PepperAnn » Do 17. Dez 2009, 18:29

Die sog. "westliche Welt" ging einen vollkommen anderen Weg als (afrikanische) Eingeborenenstämme, die größtenteils mit der Natur im Einklang lebten. Erst haben wir jene geknechtet und ihre Arbeitskraft für uns ausgebeutet, jetzt verkommen sie zu Schoßhündchen, die auf die Lebensmittelausgabe warten.
Das mag sein. Was schlägst du also vor? Sollen wir jetzt die Hände in den Schoß legen, uns nicht mehr interessieren?
Ich gebe dir teilweise recht, aber wir haben eben schon eingegriffen. Genau das ist der Punkt. Du selbst sagst doch, dass es Wege gibt, dort sinnvoll etwas zu tun.
Ich sage NICHT, dass es richtig ist, wie es jetzt läuft. Ich kaufe z.B. bewusst kein Wasser von einer Firma, die Brunnen in Afrika bauen will. Das hilft kurzfristig und langfristig führt es zur Verwüstung.
Ich kann doch dort nicht erst alles kaputt machen und dann den Rücken zukehren. Im Gegensatz zu
Wir sehen aufgemotzte Bilder,- die extremsten Ausschnitte des Elends- und werden durch Emotionen gepackt.
Das liegt daran, dass du die Leute sonst nicht dazu kriegst, hinzusehen. Es interessiert sich doch heute niemand dafür, unter welchen Bedingungen derjenige, der sein Essen und seine Kleidung produziert hat, arbeitet und ob er dafür fair entlohnt wurde. Bei uns herrschen teilweise gruselige Bedingungen. Ich habe einen Freund, der im Penny arbeitet, das ist reinste Ausbeutung. Und wenn unsere Menschenrechte dort unten nicht gelten (ich gebe dir recht, dass die 1:1 Übertragung erst einmal schwierig ist), wer kümmert sich denn dann darum, dass die Firmen, die uns füttern, dort nicht wieder die Sklaverei ausrufen? Nicht dass viel Unterschied wäre.

Es gibt bestimmt genügend Leute, auf die das zutrifft, was du sagst, aber nur weil jemand helfen möchte, hält er sich noch lange nicht für überlegen und ist rassistisch. Es ist mir Wurscht, ob derjenige der hungert, ein weißer Penner in unseren Gossen, ein gelber Bauer in China oder eine schwarze Plantagenarbeiterin in Afrika ist. Ich finde, dass die Dinge nicht so sein müssten, wie sie sind, wenn die, die genug haben (Geld & Wissen) nur nicht immer so bequem und kurzsichtig wären.
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von W4ll3 » Mo 21. Dez 2009, 12:58

ich bin stolz daurauf deutscher zu sein, gerade was Handwerk und sowas angeht.
zu unserer Geschichte können wir nichts und ich kann leute die die Zeiten von damals gut finden nicht verstehen
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Re: Bist du stolz Bürger deines Landes zu sein?

Beitrag von Ragnar » Mo 21. Dez 2009, 17:13

PepperAnn hat geschrieben:
Das mag sein. Was schlägst du also vor? Sollen wir jetzt die Hände in den Schoß legen, uns nicht mehr interessieren?
Ich gebe dir teilweise recht, aber wir haben eben schon eingegriffen. Genau das ist der Punkt. Du selbst sagst doch, dass es Wege gibt, dort sinnvoll etwas zu tun.
Die gibt es. Die werden allerdings selten beschritten (was ich ja schon illustriert habe), weil wir in Afrika eben nur vordergründig die Interessen vertreten, die uns die Berufs-"Hungerhelfer" suggerieren. Vielmehr geht es um kulturelle Anpassung an unsere Gepflogenheiten. Man ringt den Leuten Zugeständnisse an westliche Lebensformen ab- ohne diesen Boden gibt es gar nichts, nicht einmal die Butter auf dem Brot. Es ist schwierig, solche Zustände genau zu benennen, wenn man nicht das Risiko eingehen möchte, von den teilweise großen und mächtigen "Entwicklungshilfe"-Konzernen verklagt zu werden. Das kann ich mir nicht leisten, denn ich habe keine Beweise außerhalb dessen, was ich allein gesehen, nicht ausreichend dokumentiert habe.
Hilfe funktioniert nicht einmal auf Augenhöhe, sondern viel eher in der Bittstellerposition des Helfenden. Sie funktioniert nur mit höchstem Respekt vor Tradition und der Verpflichtung der Bewahrung derselben. Daran gekoppelt sind nicht allein finanzielle Ressourcen, (das was hier größtenteils stattfindet, hat ja eher etwas von Ablassbriefen), sondern vor allem geistige. Karlheinz Böhm ist meines Erachtens einer der einzigen Leute in diesem Bereich, die das adäquat verstanden haben. Aber auch hier muss man ganz einfach sagen, ohne dass ich hier zu sehr ins Detail gehen möchte, dieser Mann ist gezeichnet von einer Besessenheit, die kaum ein anderer teilen kann und auch teilen will. Die Dinge sind nicht so einfach, dass sie mit 100 Euro in die Spendenkasse erledigt wären; ich glaube auch kaum, dass das das einzige Problem ist. Aber das öffentlich zu kommentieren, traue ich mich ernsthaft nicht.

Ich kann doch dort nicht erst alles kaputt machen und dann den Rücken zukehren.
Das ist der Schuldkomplex, mit dem die Spendenindustrie sehr geschickt zu spielen imstande ist. Lass es mich so formulieren: Bisher hat es noch keine ausländische Unterstützung an den unzähligen "Freiheitskämpfern" und Multimillionären, die ganze Palais voll Schädeln ihrer überwundenen Feinde haben, vorbeigeschafft. Weder auf dem direkten, noch auf dem indirekten Wege. In den betreffenden (also bettelarmen) Ländern Afrikas ist das keine Frage des Betrags, sondern der Organisation. Aber die so zu bewerkstelligen, dass sie an den Freiheitskämpfern und Multimillionären vorbeikommen, ist brandgefährlich. Verständlicherweise lässt sich darauf kaum jemand ein.
Unsere Vorfahren haben auf diesem Kontinent willkürlich Grenzen gezogen; die mannigfaltigen Resultate daraus sind der eigentliche Grund des Dilemmas in bestimmten afrikanischen Ländern. Alle haben ihre eigene, weit verzweigte kulturelle Geschichte und ganz unterschiedliche Handlungsmotivationen; aber, vereinfacht gesagt, das freudige Grenzziehen hat zu einem absoluten Machtkampf, aber auch zu einem Machtvakuum geführt. Die Vorreiterposition wird in einigen Staaten bereits seit Jahrzehnten ausgetragen, und konnte in anderen Staaten (Südafrika z.B.) nur durch absolute und diktatorische Machtsysteme zurückgehalten werden. Auch wenn Südafrika in sozialen Dingen eine absolute Katastrophe ist; diese Entwicklung nach der weitgehenden "Liberalisierung" ist noch vergleichsweise glimpflich.
Die mannigfaltigen und unterschiedlichen Probleme lassen sich mit etwas Brot und Wasser und auch mit reiner Infrastruktur nicht lösen. Sie lassen sich mit Geld nicht lösen. Das hat auch die Weltgemeinschaft begriffen, deswegen versuchen sie immer noch - wie vor mehr als hundert Jahren - ganz Afrika zu "indoktrinieren". Waidmanns Heil, Freunde - ich glaube nicht daran, dass das funktioniert ...

Und wenn unsere Menschenrechte dort unten nicht gelten (ich gebe dir recht, dass die 1:1 Übertragung erst einmal schwierig ist), wer kümmert sich denn dann darum, dass die Firmen, die uns füttern, dort nicht wieder die Sklaverei ausrufen? Nicht dass viel Unterschied wäre.
Die 1:1-Übertragung ist nicht schwierig, genau genommen sogar ganz einfach: Man bringt jene um, die dem zuwiderhandeln. Das geht ganz schnell. 70 Jahre und das Ding ist gegessen ... Nein, es ist nicht schwierig, es ist absurd und gefährlich. Wir können nicht unsere Vorstellungen in Kulturen tragen, die andere Gepflogenheiten, andere Traditionen, Werte, andere gesellschaftliche Ausrichtungen haben als wir. Wir können weder einem patriarchaischen noch einem matriarchaischem Stamm so etwas wie "Gleichberechtigung" einimpfen, weil wir mal seit einigen wenigen Jahrzehnten glauben, das sei nicht richtig. Das führt zu gesellschaftlichen Umbrüchen und dazu, dass - im schlimmsten Fall - Leute noch schlechter dran sind als es ohnehin schon der Fall ist. Gerade im Bezug auf China ist das ein Thema, das mich immer wieder aufbringt; unsere tollen "Menschenrechtsorganisationen" haben beschlossen, dass das Abbinden der Füßen von Mädchen grausam sei. Nun, aus unserer Sicht mag das so sein; aber deren Mädchen, die diese Behandlung nicht erfahren, werden auf ewig arm bleiben, zuhause in unschönen Zuständen leben und haben keine Chance, von einem reicheren Mann für attraktiv gehalten zu werden. Mit unserer hochnäsigen Arroganz im Bezug auf Regeln, die wir, (wie Du ja schon geschrieben hast), selbst nicht so ganz genau nehmen, zerstören wir, damals wie heute, vielmehr, als wir aufzubauen glauben. Wir kotzen einmal auf den Teppich, und haben im Handumdrehen ganze Gesellschaften auf ewig zerstört und in eine Ordnungslosigkeit getrieben, die Jahrhunderte andauern kann. Was meinst Du, wann Südafrika wieder auf einen Pegel zurückkommt, der mit dem vor der Apartheid vergleichbar wäre? Niemals! Denn die vielen Kolonialherren haben Wort gehalten- sie haben dem Neger die Kultur erschlossen ... Meinen Glückwunsch!
Jede Nation, jede Gesellschaft, soll verflucht nochmal das Recht haben, seine eigene Ordnung zu erwählen, ohne dass sie befürchten muss, dass ein Weltpolizist vorbeischaut und ihm erzählt, dass das ja alles falsch ist was er tut. Dass wir aus den Kolonialzeiten, die eigentlich verdammt gut dokumentiert sind, diesen Schluß noch nicht gezogen haben, halte ich für unglaublich ...
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